Clapotis (Kino Lichtspiel, Olten 27.02.2010)

Die Oltener Band Clapotis füllte trotz momentanem Geheimtipdasein das schmucke Kino Lichtspiel, das zwecks Plattentaufe für das neue Album Antelope umfunktioniert wurde, ohne weiteres mit einer beachtlichen Anzahl Besuchern. Dies nur ein Grund warum die junge Band für einen gelungenen Konzertabend sorgte.
Das Schönste im Leben sei, so Frontmann Rafael Meyer, wenn man im Leben eine Aufgabe habe. Zumindest für diesen Abend haben Clapotis eine Aufgabe gefunden: den Saal mit guter Musik zu erfüllen. Ganz langsam und unscheinbar starten sie dann in ihren Konzertabend. Etwas gemässigt zu Beginn legt die Band laufend an Tempo zu und erreichte bald ein konstantes Niveau.
Schon mit den ersten Klängen des Konzertes beweist die Band, dass sie es beherrscht, mit ungewöhnlichen Rhythmen und Klangabfolgen zu faszinieren. Beachtenswert vor allem der Einsatz des charismatischen Sängers Rafael Meyer, der sich bei seinen Tänzen so stark bewegt, dass auch mal die Brille von der Nase weggeschleudert werden kann.
Mit "Electroclash" erreicht die Stimmung ein erstes Mal ihren Höhepunkt. Dieser Song begeistert durch mitreissende Tanzbarkeit und glänzt mit einem herrlichen Rhythmus. Fröhlich und unkonventionell spielt sich die Band mit wippendem und tanzendem Publikum zum eigentlichen Höhepunkt: der Plattentaufe. Die kleine Ansprache der Bandmitglieder, die den Konzertverlauf unterbricht, nimmt man ihnen nicht übel. Die Band sei enorm erfreut über den heutigen Termin der Veröffentlichung, man habe lange auf dieses Ziel hingearbeitet. Dementsprechend erfreut giesst Rafael Meyer die Mischung aus Milch und Alkohol über das neue Album.
Ein weiteres Mal spielt sich die Band mit "Only Lonely" in die Gunst des Publikums. Dieser Songs besticht ein durch den ungewohnten Rhythmus. Diesen finden Clapotis in ihren Songs immer wieder, planen den Konzertverlauf aber so, dass auf ein schnelles Lied immer auch ein etwas langsameres Lied folgt. So überzeugen "Boredom" und "Men Don't Care" mit gesanglicher Stärke.
Bis spät in die Nacht hinein spielen Clapotis, haben starke Bühnenpräsenz und lassen erahnen, was noch für musikalische Qualitäten in diesen vier jungen Musikern schlummern. Schade, dass der Schlagzeuger Jonas Stehli nun für ein Jahr in die Vereinigten Staaten gehen wird. Etwas mehr Übung und Konzerte werden diese Band bestimmt weiterbringen und sie von ihrem Geheimtipdasein hinein in die Schweizer Musikindustrie hineinmanövrieren. Von der nötigen Unkonventionalität haben sie bereits mehr als genug.

Monkeys On Stage (Papiersaal Zürich, 13.02.2010)

Die dritte Ausgabe der Konzertreihe Monkeys On Stage lieferte dem Zürcher Papiersaal eine geballte Ladung schweizerischen Musikschaffens. Das Publikum wurde von einer abwechslungsreichen und abgerundeten Bandauswahl beglückt und gefordert.

Bereits die erste Band, Boredom Laughs Alone, haut kräftig auf den Putz. Die junge Band macht Musik, mal auf Englisch, mal auf Hochdeutsch, die Zug hat, kräftig und schnell ist. Mit Synthesizer, Gitarre, Bass und Schlagzeug und kräftiger Stimme heizen die Zürcher dem immer zahlreicher werdenden Publikum ein und stimmen es auf eine lange Konzertnacht ein. So sticht der erste Act des Abends, der zu dieser Gelegenheit gerade noch seine Kassette tauft, durch seine Unkonventionalität und musikalische Uneingeschränktheit hervor. Ein wahrhaftiger Geheimtip, der mit seinem Discorock manchmal schon fast ein bisschen an Must Have Been Tokyo erinnert, ohne sich dabei auf etwas zu fixieren - und das ist doch schon mal ein guter Anfang.

Den Abend weitergeführt haben White Stiff Music, ebenfalls aus Zürich. Während dieses Konzertes brettern die Gitarren nur so um die Wette. Hart und schnell lässt die Band einen Rocksong nach dem anderen auf das interessierte Publikum los. Nahtlos werden altbewährte Indierocksongs zum Besten gegeben. Die Band scheint grosse Freude an ihrer Art Musik zu haben, was natürlich auch auf das Publikum abfärbte und auch seinen Teil zur gelungenen Atmosphäre beisteuert.

Mit den Baslern Sheila She Loves You drosselt sich das Tempo wieder ein wenig. Die Band liefert süffigen Rock und bringt das Publikum zum beschwingten Tanzen. Bestechend schön die Indierockballaden über die Liebe und das Leben, vorgetragen mit der schönen Stimme des Sängers Joachim Setlik. Im Vergleich zum letzen besuchten Konzert mässigen sich Sheila She Loves You etwas, wirbeln nicht zu jedem Song wie wild auf der Bühne herum, was der wohligen Wirkung ihrer Songs aber nur gut tut. Auf das kommende Album und eine hoffentlich damit verbundenen Solokonzertreihe darf gespannt gewartet werden.

Den Luzernen Les Vieux Sans Visage muss man fast schon konzerttechnisches Kalkül vorwerfen. Sie kommen auf die Bühne, beginnen zu spielen und halten nie inne. Nicht für ein Danke für den nicht ausbleibenden Applaus, kaum ein Blick ins Publikum. Dafür ist die Musik, die sie auf der Bühne makellos präsentieren umso besser. Kühl und kontinuierlich erinnern sie mit ihrem Post Punk/New Wave sehr an Interpol. Auch ihren Trumpf im Ärmel "New Age" verspielen sie nicht, etwas später hätte er aber wohl noch grössere Wirkung entfalten können. Eine grossartige Band mit einem guten Konzert, dem man musikalisch nichts anlasten kann.

Den letzten Programmpunkt bestreiten Christopher Christopher und bringen mit ihrem Konzert auch um halb zwei Uhr morgens den Saal noch ein letztes Mal zum brodeln. Schöne, schnelle und interessante Indierocksongs werden dem tanzenden und noch immer vollen Saal vorgesetzt. Grosse Stücke wie "Who's Driving The Bus", "Clever and Wise", "Rockefeller Jeans" beweisen auch dieses Mal ihre enorme Durchschlagskraft. Doch auch "Disco Nights", das als erste Singleauskopplung ab dem neuen Album im Radio zu hören sein wird, ist schön und eingängig. Ebenso Freude macht "What I Didn't dream in December", bei dem der Sänger und Leadgitarrist einmal nicht an der Gitarre sondern am Klavier anzutreffen ist. Der sehr feine Song sorgt so genau für die richtige Auflockerung des ansonsten soliden und unbeschwerten Indierocks. Wieder einmal haben Christopher Christopher bewiesen, dass sie das Zeug haben, eine richtig grosse und richtig gute Schweizer Band zu werden.

So liefert dieser Abend voller musikalischer Höhenflüge ein Gefühl angenehmen Konzertvergnügens. Auch wenn die Konzerte aufgrund der Vielzahl an Bands eher kurz sind, ist die Stimmung doch geballt und gebannt. So darf auch erfreut auf die nächste Ausgabe des Monkeys On Stage gewartet werden, die wieder mit einem gelungem Line-Up Schweizer Bands auftrumpft.