Letzten Mittwoch füllten Deichkind die Maag EventHall in Zürich. Zu Tausenden strömte das Publikum in die grosse und schöne Halle - und konnte sich auf etwas gefasst machen. Deichkind verwandelten einen gewöhnlichen Mittwochabend in eine perfekte Samstagnacht. Wer nicht selbst vor Ort war, hat definitiv etwas verpasst.
Eine kleine Verspätung können sich Deichkind ohne weiteres leisten, denn ihre geniale Mischung aus harten, tanzbaren Beats und einfachen deutschen Texten mit Aussage hat sie berühmt gemacht. So verwundert es auch nicht, dass es kurz vor dem Konzert vor der Bühne schon kein Durchkommen mehr gibt. Dort stehen nämlich die Fans, nicht wenige von ihnen haben sich ihre Kleidung gut überlegt. Entweder kommen sie als Deichkind-Doubles mit übergezogenen Abfallsäcken oder mit Badehosen. Beides stellt sich im Nachhinein als eine gute Entscheidung heraus.
Eine Vorband gibt es nicht, stattdessen werden auf eine gespannte Leinwand, die die Sicht auf die Bühne versperrt, Videos von Klassikern projiziert. Dann geht das Licht aus und Deichkind lassen einen Film laufen, in dem sich Menschen mit Tiermasken auf den Weg zu einem Raumschiff machen. Diese Einlage wirkt befremdend, doch lässt sie durch die zunehmende Bassbegleitung die Spannung ins Unerträgliche steigen. Dann zeigen sich Deichkind ein erstes Mal im Blitzlicht, das ihre Schatten an die Leinwand wirft. Auf einmal fällt die Leinwand, der Bass nimmt noch einmal mehr zu, die ganze Halle beginnt wie wild zu springen und zu tanzen. Deichkind spielen ihren Trumpf im Ärmel, Arbeit nervt, gleich zu Beginn aus.
So könnte man Deichkind mit Texten à la Arbeit nervt oder Hoch die internationale Getränkequalität Proletentum vorwerfen. Doch Proleten sind sie nicht, nein. Deichkind sind Entertainer, die auch etwas von guter Musik und tanzbaren Bässen verstehen. So inszenieren sie jedes Lied mit einer passenden Bühnenshow, bei der sie sich immer wieder selbst übertreffen. So reiht die Band Hits wie "Ich und mein Computer", "Urlaub vom Urlaub" und "Krieg" aneinander, ohne jemals auch nur ein kleines bisschen an Stimmung einzubüssen.
Durch eine grandiose Lichtshow und eine unübertreffliche Stimmung in der Halle wird dieses Konzert zum einmaligen Erlebnis. Deichkind erweisen sich als Partymacher, jeder Song sitzt, jeder Basslauf gibt dem tanzwütigen Publikum einmal mehr die Gelegenheit, sich auszutoben.
Erfreut zeigt sich dieses Publikum auch, als Deichkind zur fast schon berüchtigten Zitze kommen. Dies ist eine Konstruktion aus einem grossen Behälter, gefüllt mit literweise Wodka, und vier wegführenden Schläuchen. Mit diesen löschen Deichkind dem Publikum in der ersten Reihe wortwörtlich den Durst.
Als letzen regulären Song wählen Deichkind Luftbahn. Dieser entwickelt sich auch live zu einer wunderbaren Hymne, die klanglichen Finessen gehen aber in der grossen Masse Menschen etwas unter. Trotzdem will der Applaus nicht enden, minutenlang jubelt und klatscht das Publikum. Es hat auch allen Grund dazu, denn das Konzert war einzigartig. Dabei war es noch nicht einmal alles. Deichkind spielen eine weitere geschlagene halbe Stunde Zugabe, welche aber für einen Teil des Publikums etwas zu hiphoplastig ist.
Nichtsdestotrotz bekommt Deichkind noch einmal einen gehörigen Applaus. Schliesslich haben die Hamburger ihren grössten Hit, ja den Partykracher des deutschsprachigen Raums schlechthin, noch nicht gespielt. Deichkind verschwinden kurz von der Bühne, es wird stockdunkel im Saal. Nach einer kurzen Wartezeit kommen Deichkind zurück - und auf der Bühne thronen zwei Hüpfburgen. Es beginnt die Eskalation. Als die ersten Bässe von Krawall und Remmidemmi den Saal ausfüllen, ist das Publikum nicht mehr zu halten. Jeder singt oder brüllt aus voller Kehle den jedem bekannten Text.
Deichkind bringen Zürich noch einmal zum Kochen. Erst recht, als sie fragen, ob man denn an diesem Abend mit Deichkind ans Limit gehen wolle. Niemand hegt den geringsten Zweifel daran, denn was in der heissen Halle geboten wurde war definitiv mehr als nur ein Konzert - es war Party pur.
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