Nasser Freitag
Eigentlich hätte das Gelände schon am Mittag geöffnet werden sollen. Sicherheitsprobleme, die unter anderem auf die starken Regenfälle zurückzuführen sind, verzögerten die Öffnung des Geländes um ein paar Stunden. Ein Fehler, denn dadurch verpasste ein Grossteil der anstehenden Besucher die Konzerte der ersten Bands. Local Natives, einer der Geheimtipps dieses Festivals, spielten vor einem beinahe leeren Gelände. Erst zu Shout Out Louds trudelten die Festivalbesucher nach und nach ein. Ein Glückstreffer, denn der beruhigenden und wohltuenden Wirkung der Musik konnte sich praktisch kein noch so aufgebrachter Konzertbesucher entziehen.
Gegen Abend, als Vive La Fête das musikalische Unterhaltungszepter in die Hand nahmen, begann es immer stärker zu regnen. Nichtsdestotrotz bleibt das Konzert wohl jedem Besucher noch lange in Erinnerung, insbesondere wegen der unheimlichen Ausstrahlung der Frontfrau der Band. Eindeutiger Höhepunkt: das Popcorncover mit einem unschlagbaren Basslauf.
Organisatorische Fehlentscheide entwickelten sich mit jedem gefallenen Regentropfen zu mehr oder weniger unüberwindbaren Hürden. Bereiche vor der Bühne wurden in Schlammfelder verwandelt, wichtige Wege zwischen den Bühnen wurden durch grosse und tiefe Wasserlachen unbrauchbar gemacht und das gestreute Stroh bot aufgrund fehlender Geländebeleuchtung nur trügerische Einsinksicherheit.
Trotz gutgemeinter Planung und beinahe überall erkennbaren guten Ansätzen minderten die geschilderten Probleme das Festivalvergnügen immens. Von vielen Festivalbesuchern wurden dann auch die auftretenden Probleme mit viel Skepsis entgegengenommen. Vielen blieb es unklar, wieso es auf dem Gelände kein kostenfreies Trinkwasser gab oder wieso die Sicherheit am Eingang zwar den Bändel nicht sehen wollte, einem dafür aber den Schokoriegel abnahm - obwohl doch auf der Internetseite nirgends etwas von einem Verbot für Esswaren zu lesen war.
Ein Samstag mit Besserung
Trotz allem konnte der Samstag das Blatt zu einem Besseren wenden. Grosse Schlammseen wurden mit Brücken passierbar gemacht und auch sonst schien etwas mehr zu funktionieren als noch zu Beginn des Festivals.
Ausschlaggebend zur Besserung beigetragen hat das musikalische Programm. Ein charmanter Adam Green wurde von den stimmgewaltigen Soundtrack Of Our Lives abgelöst. Auch sehr gekonnt spielten sich Maximo Park in die Herzen des Publikums, besonders durch ihre Festivalerfahrenheit konnten sie sich optimal präsentieren.
Am späteren Abend spielte das absolute Highlight des Abends auf. The XX, die jungen Überflieger aus London, besuchten endlich wieder einmal die Schweiz. Dementsprechend gespannt war das Publikum. Im Vorfeld wurde viel über das Konzert gesprochen, da sich alle bisherigen XX-Konzertbesucher bezüglich der Livequalität der Band überhaupt nichteinig werden konnten. Manche finden, dass The XX total überzeugen, wieder andere finden, dass The XX nichts weiter tun, als das Album live (ab)zu spielen. In der Tat klingen The XX live sehr ähnlich wie ab Konserve. Dieses Album ist aber von solch einer ungeheuren Qualität, dass auch das Konzert neue Massstäbe setzt. Aufgefallen hier sind die schöne Lichtshow und die ausgezeichnete Soundqualität.
Bezaubernder Sonntag
Der Sonntag hingegen stand ganz im Zeichen von Belle and Sebastian, einer der wunderbasten Livebands überhaupt. Mittlerweile waren in Zürich alle Gummistiefel ausverkauft und alle Festivalbesucher an den omnipräsenten Schlamm gewöhnt - die Stimmung konnte sich also nur noch bessern. Das tat sie auch, und wie. Belle and Sebastian lieferten ein makelloses, überaus sympathisches Konzert und zauberten dem hocherfreuten Publikum noch einmal ein Stückchen Sommer zurück.
Belle and Sebastian bestechen vor allem durch den Charme und Charakter des Leadsängers Stuart Murdoch. Dieser gewann schon mit den ersten netten Worten, die er an das Publikum richtete, jeden Konzertbesucher für sich. Die Musik, die Worte und Einlagen dazwischen perfektionierten das Konzert zu einem wunderbaren und auch unwiederbringlichen Gesamtereignis. Belle and Sebastian spielten wunderschöne Musik, überzeugten auf der ganzen Linie und hätten als eigentliche Headliner des Festivals gehandelt werden sollen.
Über die Bücher gehen
Wer beim Zürich OpenAir ein perfekt organisiertes Festival erwartet hatte, wurde sicherlich enttäuscht. Wer sich jedoch darauf freute, gegen Ende des Sommers noch einmal ein paar Bands geniessen zu können, kam definitiv auf seine Kosten. Dabei hat das Festival aber das Fundament gelegt, sich in den nächsten Jahren zu einem stilsicheren Festival zu etablieren. Eigentlich schade, dass dies nicht schon bei der ersten Durchführung gelungen ist. Dass das Festival nächstes Jahr noch einmal stattfindet, darf inständig gehofft werden. Die Festivalleitung wird bestimmt über die Bücher gehen und alle Planungsfehler und Anfangsschwierigkeiten des Festivals ausmerzen, so dass die 2011 Ausgabe garantiert erfolgreich werden wird. Wir hoffen das Beste.

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