Deichkind | 09.06.2010 | Maag EventHall

Letzten Mittwoch füllten Deichkind die Maag EventHall in Zürich. Zu Tausenden strömte das Publikum in die grosse und schöne Halle - und konnte sich auf etwas gefasst machen. Deichkind verwandelten einen gewöhnlichen Mittwochabend in eine perfekte Samstagnacht. Wer nicht selbst vor Ort war, hat definitiv etwas verpasst.


Eine kleine Verspätung können sich Deichkind ohne weiteres leisten, denn ihre geniale Mischung aus harten, tanzbaren Beats und einfachen deutschen Texten mit Aussage hat sie berühmt gemacht. So verwundert es auch nicht, dass es kurz vor dem Konzert vor der Bühne schon kein Durchkommen mehr gibt. Dort stehen nämlich die Fans, nicht wenige von ihnen haben sich ihre Kleidung gut überlegt. Entweder kommen sie als Deichkind-Doubles mit übergezogenen Abfallsäcken oder mit Badehosen. Beides stellt sich im Nachhinein als eine gute Entscheidung heraus.

Eine Vorband gibt es nicht, stattdessen werden auf eine gespannte Leinwand, die die Sicht auf die Bühne versperrt, Videos von Klassikern projiziert. Dann geht das Licht aus und Deichkind lassen einen Film laufen, in dem sich Menschen mit Tiermasken auf den Weg zu einem Raumschiff machen. Diese Einlage wirkt befremdend, doch lässt sie durch die zunehmende Bassbegleitung die Spannung ins Unerträgliche steigen. Dann zeigen sich Deichkind ein erstes Mal im Blitzlicht, das ihre Schatten an die Leinwand wirft. Auf einmal fällt die Leinwand, der Bass nimmt noch einmal mehr zu, die ganze Halle beginnt wie wild zu springen und zu tanzen. Deichkind spielen ihren Trumpf im Ärmel, Arbeit nervt, gleich zu Beginn aus.

So könnte man Deichkind mit Texten à la Arbeit nervt oder Hoch die internationale Getränkequalität Proletentum vorwerfen. Doch Proleten sind sie nicht, nein. Deichkind sind Entertainer, die auch etwas von guter Musik und tanzbaren Bässen verstehen. So inszenieren sie jedes Lied mit einer passenden Bühnenshow, bei der sie sich immer wieder selbst übertreffen. So reiht die Band Hits wie "Ich und mein Computer", "Urlaub vom Urlaub" und "Krieg" aneinander, ohne jemals auch nur ein kleines bisschen an Stimmung einzubüssen.

Durch eine grandiose Lichtshow und eine unübertreffliche Stimmung in der Halle wird dieses Konzert zum einmaligen Erlebnis. Deichkind erweisen sich als Partymacher, jeder Song sitzt, jeder Basslauf gibt dem tanzwütigen Publikum einmal mehr die Gelegenheit, sich auszutoben.

Erfreut zeigt sich dieses Publikum auch, als Deichkind zur fast schon berüchtigten Zitze kommen. Dies ist eine Konstruktion aus einem grossen Behälter, gefüllt mit literweise Wodka, und vier wegführenden Schläuchen. Mit diesen löschen Deichkind dem Publikum in der ersten Reihe wortwörtlich den Durst.

Als letzen regulären Song wählen Deichkind Luftbahn. Dieser entwickelt sich auch live zu einer wunderbaren Hymne, die klanglichen Finessen gehen aber in der grossen Masse Menschen etwas unter. Trotzdem will der Applaus nicht enden, minutenlang jubelt und klatscht das Publikum. Es hat auch allen Grund dazu, denn das Konzert war einzigartig. Dabei war es noch nicht einmal alles. Deichkind spielen eine weitere geschlagene halbe Stunde Zugabe, welche aber für einen Teil des Publikums etwas zu hiphoplastig ist.

Nichtsdestotrotz bekommt Deichkind noch einmal einen gehörigen Applaus. Schliesslich haben die Hamburger ihren grössten Hit, ja den Partykracher des deutschsprachigen Raums schlechthin, noch  nicht gespielt. Deichkind verschwinden kurz von der Bühne, es wird stockdunkel im Saal. Nach einer kurzen Wartezeit kommen Deichkind zurück - und auf der Bühne thronen zwei Hüpfburgen. Es beginnt die Eskalation. Als die ersten Bässe von Krawall und Remmidemmi den Saal ausfüllen, ist das Publikum nicht mehr zu halten. Jeder singt oder brüllt aus voller Kehle den jedem bekannten Text.

Deichkind bringen Zürich noch einmal zum Kochen. Erst recht, als sie fragen, ob man denn an diesem Abend mit Deichkind ans Limit gehen wolle. Niemand hegt den geringsten Zweifel daran, denn was in der heissen Halle geboten wurde war definitiv mehr als nur ein Konzert - es war Party pur.

The Teenagers | 29.05.2010 | Exil

Im Rahmen der Killerparty hatten The Teenagers, ein kleiner Geheimtipp aus Frankreich, ihren Auftritt im Exil in Zürich. Das sehr kurze Konzert erfüllte nicht alle Erwartungen und liess nach dessen Ende teilweise ratlose Konzertbesucher zurück.

Angekündigt wären The Teenagers für 22.30 gewesen. Doch dann ist von der Band und vom Publikum noch keine Spur zu finden. Erst nach und nach füllt das sich das Exil und The Teenagers können mit einer zweistündigen Verspätung beginnen.

Was The Teenagers auf der Bühne präsentieren, klingt in etwa so, wie das, was sie schon auf ihrem Album zum Besten geben. Die Musik klingt fröhlich, schnell und pubertär. Da sich die Band dazu entschliess, nur die Hits des Albums zu spielen, ist die Stimmung das ganze Konzert über gut. Dennoch scheint der Funken nicht unbedingt auf das Publikum überzuspringen.

So spielen The Teenagers kurze Zeit gute Musik. Der Sänger sucht immer wieder intensiv den Kontakt zum Publikum, singt sogar einen Teil seiner Songs vor der Bühne und fordert die Menge stets auf, mitzutanzen.

Doch ehe man es sich versieht, verlassen die Teenagers die Bühne schon. Zurück bleibt ein ratloses Publikum, das nun nicht recht weiss, ob es das bereits gewesen ist. The Teenagers waren zwar gut, liessen aber doch einige Hoffnungen unerfüllt. Dementsprechend ist das Fazit des Konzertes eher dürftig, denn das Potential zu mehr wäre definitiv da gewesen.

Foals | 26.05.2010 | abart

Als Foals letzen Mittwoch im Zürcher abart auftraten, brachten sie dieses förmlich zum Schmelzen. Sie lieferten dem zahlreich erschienenen Publikum ein einzigartiges Konzert, an dem man von der ersten bis zur letzen Sekunde nichts aussetzen konnte.

Den Anfang machen Foals mit Total Life Forever, dem Titeltrack des neuen Albums. Noch ist etwas ungewiss, wie sich das Konzert entwickeln wird. Foals zeigen sich auf dem neusten Werk sehr langsam und verträumt. Dennoch geben sie live alles. Cassius, die Perle des ersten Albums, bringt den Club zum Kochen. Bis zur hintersten Reihe lassen sich alle Zuschauer von dieser Musik mitreissen.

Die Vielseitigkeit des Repertoires der Foals ist bezaubernd. Durch das neue Album wurden die eher schnellen und fordernden Songs von Antidotes auch durch den einen oder anderen bedächtigeren Song ergänzt. So entwickelt sich zum Beispiel Spanish Sahara, eine siebenminütige Hymne, zum absoluten Konzerthighlight. Am Anfang der schönen, nur dezent begleiteten Stimme des Sängers zu lauschen und erst nach und nach von der zunehmend lauter werdenden Melodie übermannt zu werden, erzeugt ein grandioses Gefühl.

Foals lieferen einen Abend lang perfekte musikalische Unterhaltung. Sie würden auch ohne das tropische Klima, das sich mittlerweile über den Club gelegt hat, keinen einzigen Konzertbesucher kaltlassen. Mit Electric Bloom geben Foals noch einmal alles. Der Sänger und der Schlagzeuger verausgaben sich ein letztes Mal und suchen am Bühnenrand intensiv den Kontakt mit dem Publikum.

Dann verlassen Foals nach dem etwa einstündigen Konzert die Bühne. Das Publikum hört jedoch nicht auf zu klatschen, bis Foals einfach noch einmal auf die Bühne kommen müssen. Ein bisschen gestresst erklärt der Sänger, dass er sich über den Applaus sehr freue, sie aber im Rahmen ihrer Tour schnellstmöglich weiter müssten. Dennoch nehmen sich Fouls noch einmal die Zeit, zwei weitere Songs zu spielen und runden das perfekte Konzert damit stilvoll ab.